Grundkurs Sozialethik

Das Blog zum Seminar an der Universität Bamberg

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Retinität bei Heimbach-Steins

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Unter Retinität (lat.: rete= Netz) vertseht man das politische Leitbild der Nachhaltigkeit im Kontext des sozialethischen Prinzipienkanons. „Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklung meint ein Leitbild für gesamtgesellschaftliche und weltweite Entwicklung. Es berücksichtigt zugleich die sozialen, ökologischen und ökonomischen Erfordernisse in modernen Gesellschaften und fördert durch deren entsprechende Vernetzung eine globale Entwicklung, die den gegenwärtigen und künftigen Generationen gerecht werden soll.“ (Veith, 2004a, S.302)

Als ökologisch-politisches Leitbild umschreibt Nachhaltigkeit ein weltweit angelegtes, länderübergreifendes Entwicklungskonzept, das alle gesellschaftlichen Systeme vernetzt. Entscheidend ist die Rückkoppelung der Entwicklungsprozesse an die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen. Die Sicherung der Grundversorgung und der angemessenen Teilhabe aller heute lebenden Menschen an den Gütern der Erde und angemessenen Entfaltungsmöglichkeiten, sowie die Sicherung der physischen Existenzvoraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben künftiger Generationen, sind wesentliche Aspekte in Bezug auf den Menschen. (Münk 1998, S.235f.)

Kern der Nachhaltigkeitsforderung stellt die Kategorie der Vernetzung von ökologischen, ökonomischen und sozialem Bereich dar. Ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung dürfen nicht voneinander abgespalten werden und gegeneinander ausgespielt werden. Um menschliche Entwicklung auf Dauer zu sichern, sind alle drei Komponenten als eine immer neu herzustellende notwendige Einheit zu betrachten.

Die Prinzipien der Retinität und der Solidarität hängen eng zusammen: Es geht um grundlegende Werteentscheidungen, welche die Solidaritätsforderung räumlich und zeitlich entgrenzen. Künftige Generationen sollen dementsprechend gleiche Lebenschancen haben wie die heute Lebenden.“ Retinität ist ein eigenes Handlungsprinzip, das zugleich mit den Zivilisationsprozessen so in Beziehung setzt, dass Nachhaltigkeit eine durchgehende Gestaltungsperspektive werden kann.“ ( Münk, 1998,S.243)

Literatur: Heimbach-Steins, Marianne: Sozialethik, in: Dies./Klaus Arntz/Johannes Reiter/Herbert Schlögel, Orientierung finden. Ethik der Lebensbereiche, Freiburg 2008, 193-196.

Written by Christine Fürholzer

Dezember 8, 2008 at 11:41 pm